Der Wolf und die 7 Geisslein

Wilhelmshavener Zeitung, 7. Februar 2003
LebensparaIlele mit Bremer Stadtmusikanten
Matthias Kuchta besucht seit 15 Jahren mit seinem Figurentheater "Lilie Kartofler" das Bürgerhaus Schortens

Er gehört zu den Weltstars der Puppenspieler: Matthias Kuchta, dieser sympathische "Kinderbändiger“. Schon seit 15 Jahren kommt er mit seinem Figurentheater „Lille Kartofler“ nach Schortens und ist dabei im Bürgerhaus schon zur festen Institution geworden. Gerade war er wieder einmal da, um seine vorweihnachtlichen, wegen Glatteis ausgefallenen Spiele nachzuholen, damit auch ja kein Kind trauig sein muss, weil es „Rumpelstilzchen“ versäumt hat.

Direkt aus Kanada, aus Montreal kam er angereist, von einem großen Festival der Puppenspieler, zu dem seine Inszenierung eingeladen wurde. In großen Theatern, vor 800 Kindern spielt er zu solchen Gelegenheiten, was er im Laufe des Jahres übrigens auch in Florida, in Spanien, Frankreich und Österreich schafft. Und er schafft es dabei, wie immer wieder in Schortens, auch die kleinsten Zuschauer nebst mitgebrachten Müttern in seinen Bann zu ziehen und alle mucksmäuschenstill zu bekommen. Das gleiche klappt sogar, ohne dass die Kinder die Sprache verstehen. Erlebt hat er das in China und Thailand, in Litauen und Singapur, wo er für das Goethe-Institut mit „Lille Kartofler“ unterwegs ist. Der Name ist übrigens eine Verballhornung aus dem Dänischen und heisst übersetzt, „Kleines Kärtöffelchen“.


Sagen Sie den Lesern, dass Matthias Kuchta links auf dem Bild ist!“ – Auch an Selbstironie spart der Puppenspieler nicht, der die Kinder regelmäßig mit seinen Figuren verzaubert.

1979, nach seiner Lehrerausbildung, entschloss sich Matthias Kuchta zum Studium an das Figuren-Kolleg nach Bochum zu gehen. Vier Jahre später hatte er das Diplom und begann gleich mit seiner ersten Inszenierung. Die „Bremer Stadtmusikanten“ hatte er sich ausgesucht und erst lange Zeit später begriff er, dass sein Aufbruch in die künstlerische Selbständigkeit viel mit dem Kernsatz des Stückes zu tun hatte: „Was Besseres als den Tod finden wir überall“. Die familienpsychologische Komponente der Märchen von Grimm und Andersen fasziniert Kuchta. Der Schwächste aus der Gruppe muss ausbrechen, sich von den „Eltern“ lösen und seine Position in der Welt finden. Puppenspieler Kuchta orientiert sich bei seinen Inszenierungen dann an den Konflitken, was jedes Kind auf seine spezielle Weise versteht. Dabei arbeitet er, so sieht es jedenfalls aus, mit minimalem Aufwand, aber mit maximaler Intensität. Die Improvisation während des Spiels ist eine Leidenschaft des Künstlers. Dass hinter seinem scheinbar kleinen „Ein-Mann-Theater“ ein großer Aufwand steckt, vermutet kaum einer, wie wohl kaum einer in Matthias Kuchta den Weltstar vermutet. Aber dieser Mann der großen, knuffeligen Puppen, die er teils selbst baut oder von einer Künstlerin aus Stuttgart, Mechthild Nienaber, bauen lässt, ist auch Perfektionist. So arbeitet er mit Regisseuren zusammen, nimmt stetig Sprachunterricht (was er als „Massage des Inneren“ bezeichnet), kümmert sich um Lichtdesign und lässt seine Theatertexte von einem Schotten ins Englische und Französische übersetzen. Ganz nebenbei experimentiert er mit seinem Theater und ersinnt Performance-Stücke für Erwachsene. Zur Zeit nimmt er kleine Hörbücher im Studio auf.

Doch letztendlich, so sagt er, spielt auf der Bühne, wie die Kinder mit ihren Teddys und Puppen spielen. Nie aufgegeben, oder nie verloren hat der 53-Jährige dabei eine große Portion Neugier, den Mut, an Grenzen zu gehen und eine enorme Spielfreude. Im Internet unter der Adresse www.lille-kartofler.de kann man noch mehr über den Puppenspieler Kuchta erfahren.

Von Waltraud Dehorn-Baar

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