Der Wolf und die 7 Geisslein

Pfälzischer Merkur vom 13./14. September 2003
„Erbse bracht es ans Licht“
Figurentheater in der Zweibrücker Jugendbücherei
begeisterte 100 Kinder

Theater, das ins Leben, in den Alltag hineinwirkt. Das sahen junge Leute am Donnerstag bei der Aufführung „Die Prinzessin auf der Erbse“. Puppenspieler Matthias Kuchta überzeugte. Es gab tosenden Beifall.

Von Peter Fromann
Zweibrücken. Die Veranstaltung Festivalstern 2003 ist eine Reihe im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz, der unter dem Motto „Ein Land – viel(e) Kultur(en)“ steht. Es ist eine Reihe für Kinder und Jugendliche. Und es geht um Kulturen, Toleranz und Miteinander. Hier mitwirken zu dürfen, ist sozusagen eine Ehre, und spricht natürlich für das jeweilige Theater. Deshalb ist Matthias Kuchta vom Lille Kartofler Figurentheater aus Düsseldorf ganz stolz auf seine Berufung. Er spielte für die Besucher der Jugendbücherei am Donnerstag „Die Prinzessin auf der Erbse“ nach einem Märchen von Hans Christian Andersen.

Mit wie es scheint Nebensächlichkeit beginnt Kuchta seine Vorführung. Er weist auf die weiße Linie um den Theateraufführungsraum auf der Erde hin, die seine Figuren, andererseits aber auch die Kinder, nicht überschreiten dürfen. Und dann lässt er die kleinen Kinder die Plätze vorne einnehmen, die großen Kinder müssen nach hinten. Da merkt der gewitzte Theatergänger natürlich sofort die versteckte Pädagogik, von wegen Grenzüberschreitungen, Toleranz und so weiter. Aber das kommt so beiläufig daher, dass man es eben kaum merkt. Gutes Theater eben schon vor dem Theater.

Kuchta führt die halbmenschgroßen drolligen, Charakter entlarvenden Figuren offen auf der Bühne. Die Geschichte der Prinzessin auf der Erbse ist bekannt. Ein hier bei der Aufführung recht tumbes Königspaar möchte seinen Prinzen verheiraten oder der Prinz möchte eben einfach heiraten. Er zieht nun los und nimmt die Prinzessinnen dieser Welt, die sich als solche ausgeben, unter die kritische Lupe. Aber alle haben tatsächlich nicht unerhebliche Macken. Sie leiden vor allem an ihrer angeblichen Einzigartigkeit. So kehrt der Prinz unverrichteter Dinge solo ins Königshaus zurück. Die Stimmung ist mies. Eines Tages, während eines Unwetters, bittet ein Mädchen, schlecht gekleidet und arg zerzaust, um Einlass. Und dann kommt die Prüfung mit der Erbse unter zehn Matratzen, die das Mädchen immer noch als schmerzhaften Druckpunkt spürt. Aber erst ruft der Theatermann nacheinander zehn Kinder auf die Matratzen, die, Hand aufs Herz, bekennen müssen, ob sie die Erbse spüren. Keine spürt sie. Nur das zerlumpte Mädchen, das in Wahrheit eine Prinzessin ist. Natürlich wird am Ende geheiratet. Und, wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute. Jeder kennt diesen Abschlusssatz der Märchen, der auf die Zeitlosigkeit der Geschichte hinweist, weil das Märchen ein Bild für irgendetwas abgeben will. Man muss jetzt nicht viel herumdeuteln oder man darf herumdeuteln, was der Andersen hier wohl gemeint hat. Mit Toleranz hat es allemal zu tun und wer meint, man könne hier wunderbar lernen, die Menschen nicht leichtfertig nach Äußerlichkeiten zu be- oder gar zu verurteilen, liegt auch nicht verkehrt.

Kuchta hat „Die Prinzessin auf der Erbse“ wirklich überzeugend inszeniert – vor allem kindgerecht. Die Kinder wurden ins Spiel miteinbezogen und hatten ihren Spaß und können sich nun zu Hause gemeinsam mit ihren Eltern daran machen, der Sache auf den Grund zugehen. Theater, das in den Alltag, ins Leben hineinwirkt. Gut so!

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